Vielleicht erinnern Sie sich noch: im vergangenen Jahr berichteten wir über teils massive Leistungserhöhungen bei den Sendeanlagen für SRG Kanal 12C (siehe Artikel vom 28.03.17 und vom 03.10.17). Vorteil dieser Mehrleistungen ist, dass sich damit die Gebäudedurchdringung wesentlich verbessert. Konkret: auch in Kellerräumen kann nun problemlos DAB+ gehört werden, ohne dass der Empfang abbricht. Zudem gelangt man dank Reflektionen an den Bergen auch besser in die Täler hinein. Insgesamt steigt so der Versorgungsgrad von SRG-Deutschschweizkanal 12C merklich.

Doch diese Leistungserhöhungen bringen auch unangenehme Begleiterscheinungen mit sich. Bei Aussenantennenanlagen mit Signalverstärkern, aber auch bei sehr empfindlichen Kofferradios, können die starken Sendeleistungen dem Empfang anderer Kanäle stark beeinträchtigen. DAB-Swiss hat dies so selbst erlebt, nach der Leistungserhöhung des Senders Beatenberg-Niederhorn, welcher mit neuen Antennen von 500 auf 15’000 Watt hochgeschraubt wurde. In naher Entfernung zu einem solchen «Störsender» kann dies verheerende Wirkung haben. In unserem Falle beträgt die Distanz von Empfänger zum Sender nur gerade 7km Luftlinie mit direktem Sichtkontakt. Das ernüchternde Resultat: das Niederhorn «übertönt», begünstigt durch den eingesetzten Antennenverstärker, buchstäblich alles bis hinunter auf Kanal 8. Konkret konnten mit der eigenen Antennenanlage vor der Leistungserhöhung weit entfernte DAB-Ensembles wie SWR-Kanal 8D (Sender Feldberg), SMC Ostschweizkanal 9B (Sender Flurlingen-Cholfirst) oder RMS Westschweizkanal 10B (Sender Biel-Magglingen) problemlos gehört werden. Danach brach beispielsweise die Signalstärke des SWR-Ensembles von 100% auf nur noch 15%, ohne Audio, ein. Aufgrund der starken Leistung mit mehreren Antennenfeldern am Niederhorn, war an einen fragilen Fernempfang nicht mehr zu denken. Aufgefallen ist uns dies erst, als die Januarstürme die störende Sendeanlage zum Verstummen brachte und damit all die alten, geschätzten Empfangsmöglichkeiten wieder aktiviert wurden.

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Der Sender Beatenberg-Niederhorn mit seinen neuen Antennenfeldern für DAB+. Foto: S. Grünig, Krattigen

Doch was tun? Im Schweizer Radioforum war der «Störsender» schnell einmal eruiert. Doch auch hier, in Fachkreisen, staunte man über den enormen Wirkungsgrad des Niederhorns, bis weit in die Nachbarkanäle hinein. Die Empfehlung lautete: ein schmalbandiger Sperrfilter für Kanal 12C muss her! Speziell für uns angefertigt wurde dieser in Deutschland, bei der Firma Rittmann-HF-Technik. Kostenpunkt: 78.00 Euro zuzüglich Versandkosten und MwSt.

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Deutlich erkennbare Dämfungsmesskurve auf Kanal 12 C (zum Vergrössern) und angeschlossener Filter, direkt nach dem Verstärker.

Der sorgfältig verarbeitete Filter steht nun seit einigen Tagen bei uns im Einsatz und bewährt sich bestens. Es handelt sich dabei um ein etwas unförmiges, silbernes Dreifachkästchen mit Kabelschlaufen und roten «Noppen». Dieses haben wir mit hochwertigen Koaxialkabeln zwischen den Antennenverstärker (30 dB) und unseren Yamaha T-D500 Empfänger geschaltet. Geplant ist in Kürze der Einbau eines direkt verbindenden F-Stecker Adapters. Der Sperrfilter schützt nun alle Kanäle rund um Kanal 12, welchen er jedoch stark dämpft. So sind die schwachen und damit sehr empfindlichen Fernempfänge wieder problemlos möglich, während Kanal 12C trotzdem noch immer mit 100% Signalqualität gehört werden kann. Erstaunlich auch, wie schwach die Dämpfung des Sperrfilters ausfällt. Ohne entsprechende Messgeräte können wir eigentlich gar keine Dämpfung gegenüber dem früheren Empfang ohne Filter feststellen. Es handelt sich also dabei wahrscheinlich nur um wenige Dezibel. Deutlich feststellbar ist auch, dass die Signalqualität nun viel weniger rauf und runter springt. Sie bleibt merklich konstanter. Interessante Nebenerscheinung: unsere Dreifachantennenanlage können wir nun genau auf das Niederhorn ausrichten um den besten Fernempfang zu erhalten. Sogar die gegenseitige Auslöschung zwischen den digris DAB-Inseln Bern und Biel-Solothurn auf Kanal 10A können wir so umgehen. Bern kommt nun sauber mit Audio rein, solange wir die Antennen nicht direkt in Richtung Mittelland (Bern-Biel) richten. Bleibt zu beachten, dass Qualitätsware aus europäischer Produktion immer der Billigware aus China und Co. vorzuziehen ist, da gewisse solche Gerätschaften in der Schweiz gesetzlich teilweise gar nicht betrieben werden dürfen.

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Fernempfang von Radio Melody (Ostschweizkanal 9B) und SWR1 (Baden-Württemberg Süd-Kanal 8D) im Berner Oberland!

Über’s Ganze gesehen also eine durchaus lohnenswerte Anschaffung für Radio Enthusiasten, welche in der Nähe von starken Sendeanlagen wohnen und schwache VHF-Signale verstärken wollen. Für den «normalen» DAB-Radiohörer ist diese Art von Filter jedoch überflüssig, da hier sowieso nur die starken Ortssender mit einfacheren Empfängern (Kofferradios, HiFi-Anlagen) empfangen werden. Diese sogenannten Ortssender sollten sich eigentlich immer gegenüber anderen, ebenfalls starken Sendeanlagen, durchsetzen können, ausgenommen, man wohnt direkt neben einem solchen «Brenner».

Internet: http://www.rittmann-hf-technik.de

Internet: http://www.dab-swiss.ch

03.02.18 – Starke «Störsender» und die Rettung durch Sperrfilter (www.dab-swiss.ch)

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