Eine Betrachtung von Stefan Grünig.

Normalerweise ist es erfreulich, wenn in einer Region neue Radioangebote on Air gehen. In der Zentralschweiz ist momentan jedoch nicht alles Gold was glänzt. Zudem wäre es eine echte Bereicherung, wenn etwas neues versucht würde, das sich von den bisherigen Angeboten abhebt.

Nachdem zuerst Roger Givel den Start seines Programmes «Radio Lozärn» auf digris DAB-Kanal 5D, Luzern-Zug-Nidwalden» mit einem revolutionären Konzept angekündigt hatte, dauerte es nicht lange, bis auch die «NMZ Neue Medien Zentralschweiz AG“ von Roman und Alfons Spirig ein neues Projekt, mit beinahe dem selben Namen und Musikkonzept vorstellte. Die NMZ betreibt bereits Radio Central, das stark unter Hörerschwund leidende Sunshine Radio und den Volksmusiksender Eviva. Gemäss einem Artikel in der Luzerner Zeitung haben die beiden Angebote «Radio Lozärn» und «Radio Luzern Pop» absolut nichts miteinander zu tun. Vordergründig «freut man sich über die Medienvielfalt in der Region», hintergründig werden die Spielchen jedoch langsam dreckig. Da soll von Seiten NMZ AG die SRG mit Ihrem beliebten Angebot «Swiss Pop» frontal angegriffen werden, aber auch das bewährte und erfolgreiche «James FM» aus Zug, was man so offiziell natürlich tunlichst nicht erwähnt. Diesbezüglich laufen im Hintergrund offensichtlich auch Prozesse, welche die NMZ AG nicht gerade in einem guten Licht erscheinen lassen. Die ungeliebten Mitbewerber werden sowohl technisch als auch auf dem Markt zunehmend behindert.

radio luzern pop logo

Auch wenn öffentlich das Gegenteil behauptet wird fürchtet da wohl jemand, noch mehr Hörer zu verlieren und greift die Mitbewerber an, anstatt an der eignen Programmqualität zu arbeiten. Wenn man beispielsweise denkt, was vom ehemaligen, wirklich abwechslungsreichen Radio Sunshine heute übriggeblieben ist: nur noch seichte Moderation mit den ewiggleichen Mainstreamhits und einer winzigen Musikrotation. Ob da dieser Luzern-Pop-Angriff auf die SRG mit den klanglich ziemlich traurigen 48 kbit/s Übertragungsrate auf digris Kanal 5D wirklich Sinn macht, sei dahingestellt. Sicher ist: die Radiolandschaft in der Zentralschweiz präsentiert sich langsam ziemlich verwirrlich und schliesslich hat sich im eher jüngeren Bereich auch Radio Pilatus in der Region sehr gut etabliert. Unverständlich, warum noch einmal zwei neue, praktisch identische Angebote starten, mit der Musikausrichtung der besten Songs der 80er bis heute. «Radio Lozärn» des rundfunkbegeisterten Roger Givel mag ja noch nachvollziehbar sein und eine Bereicherung darstellen, aber «Radio Luzern Pop» erscheint da wirklich in einem zwiespältigen Licht, auch wenn man damit die einheimische Musikszene fördern möchte.

Man darf gespannt sein, welche Angebote nach Wegfall der Technologieförderungsgelder des Bundes schlussendlich noch on Air sein waren. Sicher ist: wer etwas Neues wagt, sich vom Mainstream abhebt und Radio mit Herzblut macht, hat die grösste Daseinsberechtigung und die besten Chancen! Und noch etwas: wer gedenkt die SRG und ihre Programme anzugreifen sollte nicht vergessen, dass bei der NoBillag Initiative über 70% der Stimmbürger zu Gunsten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gestimmt haben und somit mit den bisherigen Angeboten zufrieden sind!

02.02.19 – Zentralschweiz: Bereicherung des Radioangebotes oder jeder gegen jeden? (www.dab-swiss.ch)

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