Seit fünf Jahren versorgt die Plattform DAB-Swiss ihre Leser nun schon mit zeitnahen, interessanten Neuigkeiten rund ums Thema Einführung von Digitalradio DAB+ in der Schweiz. Zeit um eine Bilanz zu ziehen und den momentanen Standort zu bestimmen.

Zwei Tatsachen stechen von Beginn an ins Auge: einerseits hat sich die Programmvielfalt seither ungefähr vervierfacht und andererseits hat die Abdeckung der verschiedenen Netze ein sehr hohes Niveau erreicht. Sendeten 2013 nur gerade die SRG mit ihren insgesamt 20 Programmen und SwissMediaCast (SMC) mit einem 14er Ensemble in der Deutschschweiz, so sind es nun dank SRG, SMC, RMS und digris weit über 100 verschiedenen Anbieter geworden, welche ihre Programme teils flächendeckend aber auch in neueren, lokalen Netzen verbreiten. Dies kommt einer Radiovielfalt gleich, wie sie zuvor in unserem Land, auf terrestrischer Basis, also frei empfangbar, noch nie angeboten wurde. Dies bedeutet aber nicht zwingend, dass sich auch in Programmen und Musikrichtungen eine entsprechende Vielfalt entwickelt hat. Noch immer haben die zahlreichen Mainstreamprogramme auf DAB+ die Überhand und zusätzliche Musik- oder Themenprogramme wären wirklich wünschenswert. Es scheint, dass momentan einfach nur der Mainstream finanziell rentieren würde. Ein Lichtblick in dieser Sache ist des 2. Deutschschweizer Ensemble von SMC, welches noch im laufenden Jahr starten soll, sowie je ein zusätzliches Ensemble in der Romandie und im Tessin. Für diese Sendeplätze werden sich bei einigermassen gesitteter Preisgestaltung vielleicht auch einige Spartenprogramme finden lassen. Auf den räumlich sehr begrenzen digris Ensembles tummelt sich schon das eine oder andere interessante Spartenprogramm. Mehrheitlich werden hier jedoch sogenannte Alternativprogramme ausgestrahlt.

Besonders erwähnenswert: nur noch ein einziger, kommerzieller Radioveranstalter ist in der Schweiz derzeit nicht auf DAB+ zu hören, nämlich neo1 aus dem Emmental.

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Die Entwicklung der verschiedenen Empfangswege zwischen 2015 und 2017. DAB+ gewinnt deutlich Marktanteile. Quelle: BAKOM.

Sehr erfreulich sieht es, wie erwähnt, bei der Netzabdeckung aus. Mittlerweile können die Angebote von SRG und SMC wirklich bis in das hinterste Tal glasklar empfangen werden. Gerade in den Randgebieten fällt in letzter Zeit vermehrt auf, dass die DAB+ Versorgung noch besser geworden ist als die bisherige auf UKW. Während beispielsweise Radio BeO im abgelegenen Gasterntal (Kandersteg) oder im hinteren Diemtigtal auf UKW nur schlecht als recht oder teils gar nicht zu empfangen war, ist jetzt in diesen Tälern dank SMC Kanal 8B ein ungetrübter Empfang möglich. Aufgrund von Sendeleistungssteigerungen konnte zudem die Durchdringung von dickem Mauerwerk verbessert werden. Zumindest hat die SRG in dieser Sache auf ihren Kanälen merkliche Anstrengungen unternommen. Bei SMC und RMS würde es durchaus doch noch einige Leistungserhöhungen ertragen. Schlussendlich ist jetzt bereits fast die Hälfte aller Nationalstrassentunnels, welche länger als 300m sind, mit dem DAB-Signal versorgt. Bis Ende 2018 werden da noch zahlreiche weitere Lücken geschlossen.

Bis ins Jahr 2020 erhalten die bereits auf DAB+ sendenden Veranstalter noch Gelder für die Technologieförderung. Diese Subventionen fallen danach langsam weg. Während man ursprünglich von einem UKW-Abschaltungstermin im Jahr 2014 gesprochen hat, engagieren sich die Radioverantwortlichen, zusammengeschlossen in der Gruppe DigiMig, jetzt bereits für eine Abschaltung im Jahr 2021. Zu diesen Plänen haben die Behörden jedoch noch keine Stellung genommen. Die frühere Abschaltung würde natürlich den Veranstaltern aus finanzieller Sicht sehr entgegenkommen, da dadurch die hohen Kosten für die Parallelversorgung UKW/DAB+ wegfallen würden.

Eins hat sich jedoch in den vergangenen fünf Jahren nicht verändert und zwar die Informationspolitik der Netzbetreiber. Da hält man es offensichtlich immer noch nicht für wichtig, über die neue Radiotechnologie und deren Ausbaustand zu informieren. Wenigstens gibt’s von der SRG und digris ab und zu News in Form von Presseinfos oder Homepageupdates. Bei SMC hat auch die neue Geschäftsführung keinerlei Anstrengungen zu einer Verbessrung der Informationspolitik unternommen und Netzbetreiber Romandie Médias SA (RMS) scheint auf allen Kanälen inexistent zu sein. Dabei wäre es doch wichtig, die Bevölkerung über Senderinbetriebnahmen und Empfangsverbesserungen zu informieren. So erhalten wir immer noch viele Mails und Anrufe von Radiokonsumenten, welche Fragen zu Empfang, Programmangebot oder technischen Anliegen haben. Diese können wir jedoch nur sehr begrenzt beantworten, da es sich bei DAB-Swiss um keine technische Hotline handelt.

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Grafik der Radionutzungswege in der Schweiz. Quelle AG DigiMig.

In den kommenden Monaten werden noch einmal einzelne, neue DAB-Inseln von Netzbetreiber digris auf Sendung gehen. Es handelt sich dabei um Neuchâtel-Yverdon, Freiburg, Glarus, das Oberwallis, St. Gallen und das Rheintal. Hier bestehen aber die Probleme mit den Gleichkanalbelegungen auf den Kanälen 5D und 10A, welche sich mit den Neuinbetriebnahmen noch einmal wesentlich zuspitzen werden. SMC seinerseits wird in der 2. Jahreshälfte 2018 mit dem 2. Deutschschwiez-Ensemble auf Kanal 7B starten und dieses dann kontinuierlich ausbauen. Wohl im Verlaufe des Jahres 2019 sollte auch die zusätzliche Abdeckung in der Westschweiz on Air gehen, deren Bewerbungsverfahren momentan läuft. Im Tessin könnte es jedoch erfahrungsgemäss bis 2020 dauern, mit dem Aufbau des neuen SMC-Netzes.

Und wo stehen wir Radiomässig im Jahr 2024? Das Lesen in der Kristallkugel ist immer eine heikle Sache, aber eines ist sicher: DAB+ wird sich in der Schweiz durchsetzen, denn der «Point of no Return» ist jetzt bereits überschritten. UKW wird zu diesem Zeitpunkt grösstenteils abgeschaltet sein. Vielleicht bleiben noch einzelne SRF1-Sender für den Durchgangsverkehr aus dem Ausland an den wichtigsten Hauptverkehrsachsen übrig. Und so sicher wie das Amen in der Kirche ist, dass sich die Reihen der Veranstalter ab 2021 wieder lichten werden, wenn die Subventionen des Bundes wegfallen und die Preise für eine Verbreitung über DAB+ nicht wesentlich sinken. So werden zu diesem Zeitpunkt in der Schweiz wohl um die 100 Programme via DAB+ empfangbar sein, welche einen grösseren Geldgeber im Rücken haben. Aufgrund der gut verfügbaren Übertragungskapazitäten werden diese Anbieter vielleicht gar die Übertragungsraten erhöhen, um eine bessere Tonqualität erreichen zu können. Der Werbemarkt für verschiedene Radioanbieter ist und bleibt in der Schweiz auch mit DAB+ begrenzt, sodass Nischenprogramme nur mit Innovationen und genialen Ideen überleben können. Vielleicht werden sich zu diesem Zeitpunkt auch die informativen Slideshows etablieren, welche einen wesentlichen Mehrwert von DAB+ darstellen und eigentlich zur Grundidee dieser Technologie gehören.

Internet: http://dab-swiss.ch

08.06.18 – Die Einführung von DAB+ in der Schweiz: eine Standortbestimmung (www.dab-swiss.ch)

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