Das Jahr 2018 war in vielerlei Hinsicht ein äusserst abwechslungsreiches, interessantes Jahr in Sachen DAB+ in der Schweiz. Besonders hervorzuheben ist dabei die Tatsache, dass seit Dezember 2018 sämtliche kommerziellen Privatradios unseres Landes über einen DAB+ Kanal senden und vielerorts weit über 100 Programme empfangen werden können (inkl. Angebote aus dem Ausland). 100% der Radioveranstalter sind also nebst UKW auch digitalterrestrisch zu empfangen. Ein Meilenstein in der Geschichte des Radios in der Schweiz.

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Netzbetreiber digris nahm im Verlaufe des Jahres die DAB-Insel Neuchâtel-Yverdon in Betrieb und mischte auch bei der Frequenzvergabe um ein zweites DAB-Ensemble in der Westschweiz mit. Zudem wurden für die Netzverdichtung diverse neue Sender in Betrieb genommen, beispielsweise für die Agglomeration Zürich oder Aarau-Olten. Programmmässig ist die Belegung der digris-Netze einem steten Wechsel unterzogen. Programme kommen und andere gehen, was die Sache doch sehr spannend macht. Deutlich zeichnet sich die grössere Beliebtheit der städtischen Ensembles gegenüber den ländlichen ab. Während man in Zürich glatt einen zweiten Multiplex füllen könnte, präsentiert sich die Insel Chur-Sarganserland noch heute nur halb gefüllt. Eine leidige Angelegenheit sind dabei immer noch die Kanalgleichbelegungen, welche Auslöschungen in den Überschneidungsgebieten verursachen. Es scheint, als käme man da im Gespräch mit dem BAKOM nicht so recht weiter. Bislang wurde konkret noch keine einzige Kanaländerung vorgenommen, trotz den Klagen der Hörerschaft.

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Netzbetreiber SwissMediaCast (SMC) seinerseits hat seine Ensembles weiter verdichtet und besonders im Berner Oberland zahlreiche neue Sendeanlagen in Betrieb genommen. Mittlerweile können die sprachregionalen und die regionalen Kanäle bis in die entlegenen Winkel der Schweiz problemlos gehört werden. Das Jahr stand natürlich auch ganz im Zeichen des Aufbaus eines zweiten Kanals für die Deutschschweiz. Dabei kam es jedoch zu Verzögerungen, sodass dieses Angebot nun erst im Sommer 2019 starten wird. Bei den Programmangeboten gab’s keine grossen Verschiebungen, nur dass Radio del Mar und Classix aus dem Hause Ringier/NRJ die regionalen Layer wieder verlassen haben und zuletzt auch Iischers Radio die Verbreitung im Oberwallis eingestellt hat. Dafür wurde als letztes Schweizer Privatradio neo1 aufgeschaltet, dies nach einem vorangehenden Rechtsstreit. Anfang 2018 kam es erfreulicherweise zur Neuaufschaltung von Virgin Hits und Virgin Rock Switzerland aus dem Hause AZ Medien.

Die SRG ihrerseits hat auf ihren Kanälen bei den wichtigen Sendeanlagen die Leistung stark hochgefahren, um auch hinter dicken Wänden einen besseren Empfang erzielen zu können. Teilweise wurde die Sendeleistung beinahe verzehnfacht. Kanal 12C ist wohl das am besten ausgebaute DAB+ Ensemble der Schweiz und weist beinahe keine Versorgungslücken mehr auf.

Am deutlichsten präsentierte sich der Ausbau im Jahr 2018 bei den Strassentunnels. Hier ist nun weit über die Hälfte aller Schweizer Nationalstrassentunnels mit DAB+ ausgestattet. Bei den Kanälen von digris besteht jedoch noch einiger Nachholbedarf. Trotzdem kann nun DAB+ beispielsweise auf der Achse Basel-Chiasso (A2) beinahe ohne Unterbruch gehört werden.

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DAB-Empfang selbst in der winterlichen Bergwelt. DAB-Swiss Betreiber Stefan Grünig bei einem Empfangstest.

Entflammt ist im vergangenen Jahr eine rege, teils hitzige Diskussion über die Abschaltung von UKW in der Schweiz, da der Parallelbetrieb die Radioanbieter sehr teuer zu stehen kommt. Zwischen 2021 und 2024 wird alles diskutiert. Das Tauziehen zwischen SRG, privaten Anbietern und dem Bund ist in vollem Gange und die verschiedenen Meinungen sind nur schwer unter einen Hut zu bringen. Dennoch ist es wichtig, dass bald einmal eine definitive Roadmap festgelegt wird, nach dem Prinzip eines gutschweizerischen Kompromisses, nicht dass plötzlich einzelne Radioanbieter über die finanzielle Klingen springen müssen. Ungewohnt ist dabei sicher auch, dass viele Privatradios künftig nicht mehr eigenen Sendernetze betreiben, sondern sich auf einem «Fremdnetz» einmieten müssen. Diese Tatsache bringt sicher viele Vorteile, aber auch vereinzelte Nachteile. Viele der uralten UKW-Sendeanlagen müssten ohnehin bald mit grosser Kostenintensität ersetzt werden, da sie noch aus den Gründerjahren der jeweiligen Anbieter stammen.

Ebenso wie im Jahr 2018, wird die Branche 2019 eine grosse Frage beschäftigen, bei welcher nun schnellstmöglich Nägel mit Köpfen gemacht werden müssen: wie weiter mit den Subventionen des Bundes für die Übertragungstechnologie? Diese Gelder fallen in den kommenden Jahren nach und nach komplett weg und die Veranstalter müssten für ihre Verbreitung künftig ohne jegliche Unterstützung auskommen. Dies würde das Aus für viele kleine Stationen bedeuten, was wiederum ein herber Rückschlag für die DAB+ Vielfalt in der Schweiz wäre. Aus diesem Grunde muss die Ausschüttung von Subventionen in geänderter Form unbedingt weitergeführt werden. In Folge dieser bestehenden Unsicherheit ist es für die Netzbetreiber momentan schwer, neue, attraktive Anbieter zu einer DAB+ Verbreitung zu bewegen.

Zusammengefasst: 2018 präsentierte sich äusserst spannend und war dabei, trotz einigen Rückschlägen und medienwirksamen Unkenrufen bekannter Radiopersönlichkeiten, doch ein sehr erfreuliches Wachstumsjahr für DAB+ in der Schweiz. Programmvielfalt, Geräteverkäufe und Netzabdeckung konnten erfreulich gesteigert werden. Der berühmte «Point of no Return» ist längst überschritten, weiter so!

Stefan Grünig

11.01.19 – Ein Rückblick auf das Digitalradiojahr 2018 von Stefan Grünig (www.dab-swiss.ch)

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